Evangelikale sind “widerliches Geschmeiß”, wird behauptet. Und wenn schon nicht alle, dann doch die meisten… Na, wenn ihr meint…
Aber ihr wisst schon, dass zum Beispiel Martin Luther King (genauso wie andere US-Bürgerrechts-Aktivisten), Nelson Mandela und Barack Obama “Evangelikale” waren/sind/ihnen nahestehen? Auch jemand wie Mutter Theresa, obwohl katholisch, war in dem Sinne “evangelikal”, dass sie ihr Leben an der Bibel orientierte. Wollt ihr diese Leute wirklich als “widerliches Geschmeiß bezeichnen? Doch wohl nicht, hoffe ich.
Ach so, das sind nur Ausnahmen, sagt ihr… Die meisten Evangelikalen sind viel schlimmer, sagt ihr?
Dann wird euch dieser Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung wahrscheinlich auch nicht überzeugen, der beschreibt, dass Evangelikale in ihrer Mehrheit pazifistisch-unpolitisch sind? Und wie ist es mit diesem Artikel, der einige harmlose deutsche Politiker aufzählt, die der evangelikalen Szene nahestehen (gefunden via Scribito)? Nein, auf keinen Fall werden euch diese Artikel überzeugen. Denn schließlich ist es viel bequemer, an seinen Vorurteilen festzuhalten als zu differenzieren.
(Um es nochmal klarzustellen: Natürlich gibt es Evangelikale, die demokratiefeindliche und/oder unhaltbare Positionen vertreten. Aber erstens ist es dennoch unangemessen, diese Evangelikalen als “widerliches Geschmeiß” zu bezeichnen; das tun meiner Meinung nach nur Menschen, die selbst ein Problem mit ihrem Verständnis von Menschenwürde haben. Und zweitens kann man von den unhaltbaren Positionen einiger evangelikaler Politiker in den USA nicht auf die Position aller Evangelikalen verallgemeinern. Diese Klimawandel-Leugner, Schwulen-Hasser und Todesstrafen-Befürworter sind noch nicht einmal repräsentativ für die Evangelikalen in den USA, und schon gar nicht für die Evangelikalen in Deutschland.)
Dieser Text ist eine Fortsetzung von diesem Artikel…

Erstens – Nein der Artikel überzeugt keineswegs da Schirrmacher selbst ja ein bekannter evangelikaler Hampelmann ist, das ist allgemein bekannt.
Zweitens ist es eine der bekanntesten und wiederlichsten rethorischen Techniken eine solch ekelhafte und rückwärtsgewandte Bewegung wie die Evangelikalen eine ist, in Rechtschaffene und jene zu scheiden die eben die so genannten schlimmen Auswüchse sind. Das ist ebenso feige wie verantwortungslos. Selbstverständlich handelt es sich bei den Evangelikalen um eine relativ homogene geistige Bewegung die sich auf das Christentum beziehen möchte. Wenn auch nicht alle gleich schlimm sind so handelt es sich doch letztendlich in der Praxis um eine
Einstehens- und Verantwortungsgemeinschaft ( um sich wortschatzmäßig mal aus dem SGB 2 zu bedienen), die vielgestaltig daherkommt ,aber am Ende eine geistige Suppe ist. Nicht umsonst versucht sich diese Bewegung auch immer weiter zu vernetzen. Da gibts also nicht schön zu reden – es ist doch nur ein WIDERLICHES GESCH(M)EIß!!!!!!!!!!
Hach, auf den Einwand, dass Schirrmacher selbst Evangelikaler ist, habe ich doch nur gewartet. (Danke dafür.) Denn damit wird der Verschwörungs-Wahn hinter dieser pauschalen Evangelikalen-Kritik noch schöner sichtbar:
1.
Schirrmacher ist also Evangelikaler. Einverstanden. Das weiß wirklich (fast) jeder. Denn Schirrmacher macht aus seinen Überzeugungen keinen Hehl. Er schreibt, dass es an die Irrtumslosigkeit der Bibel glaubt und dass er Abtreibung für eine Sünde hält. Er trägt sein Herz auf der Zunge. Er publiziert seine Überzeugungen. Genauso wie die christlichen Fundamentalisten in den USA. Das ist doch gerade ein Kennzeichen “der Evangelikalen”, dass sie zu ihren Überzeugungen stehen, egal, wie abseitig diese Überzeugungen anderen vorkommen mögen…
… aber halt, wenn er über Demokratie und politischen Einfluss der Evangelikalen schreibt (wie in dem BPB-Artikel), dann lügt er plötzlich und hält seine Überzeugungen geheim? Weil…ähm…? Er nicht will, dass die Welt erfährt, wie gefährlich die Evangelikalen sind? Aber darum kümmert er sich doch sonst nicht, wenn es “gegen Schwule und Abtreibung” geht. Was denn nun?
2.
Was daran eine unlautere, gar “widerliche” (woher immer diese seltsame Begrifflichkeit?) Taktik sein soll festzustellen, dass es Evangelikale gibt, die sich für die Bürgerrechte einsetzen, erschließt sich mir nicht. Ich habe nur gesagt, dass Martin Luther King ein Evangelikaler war, mehr nicht. Das ist ein Faktum. Nicht alle Evangelikalen sind wie Martin Luther King, das ist ebenfalls ein Faktum. Da liegt es doch nahe, dass die Evangelikalen nicht über einen Kamm geschoren werden sollten: Es gibt solche mit vernünftigen Einstellungen und solche mit dummen Einstellungen.
Damit ist es bei den “Evangelikalen” so wie bei jeder anderen mir bekannten Gruppierung. Beispiel gefällig? Hitler war bekennender und bewusster Atheist, ebenso wie Stalin. Daraus irgendetwas über “die Atheisten” ableiten zu wollen wäre einfach nur Unsinn.
3.
Wie viele “evangelikale” Gottesdienste in Deutschland haben Sie, Alex, denn schon so besucht? Wie viele offene Gespräche ohne vorgefasste Meinung haben Sie denn schon mit Pfarrern freier evangelischer Gemeinden geführt? Tun Sie es mal! Sie werden merken, dass Sie dort engagierte Menschen finden, die teilweise irritierend unmodern, konservativ und unbequem sind. Aber sie sind nicht demokratiefeindlich.
4.
Die Kritik, die “den Evangelikalen” entgegenschlägt (nicht nur bei Fefe und den Kommentaren hier; das habe ich in Diskussionen auch sonst schon erlebt) ist oft maßlos in Wortwahl und Inhalt. Merken diese Kritiker nicht, dass sie genau das tun, was sie “den Evangelikalen” vorwerfen? Dass sie Hass verbreiten und sich intolerant und demokratiefeindlich verhalten?
K.H.,
wer bezahlt Sie für Ihre Texte?
mfG
jake