Und warum, bitte, sollte ich dir zuhören? (1. Joh 1, 1-4)

Alles gut und schön, was der Pfarrer (oder Rabbi oder Imam…) da sagt… Aber warum sollte das relevant sein? Der kann ja ehrlich davon überzeugt sein, dass es Gott (oder JHWH oder Allah…) gibt; aber damit ist doch noch lange nicht gesagt, dass das auch wahr ist. Wieso also sollte ich ihm zuhören?

Auch wenn wir uns manchmal einbilden, dass wir heute so viel schlauere Fragen stellen als die Menschen vor 2000 Jahren: Mit diesem Glaubwürdigkeits-Problem haben sie sich damals auch schon herumgeschlagen:

1 Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens [...] 3 was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt [...]. 4 Und das schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen sei.

(1. Johannes-Brief 1, 1-4)

Die Antwort auf die Glaubwürdigkeitsfrage lautet also nicht: “Wenn du’s nicht glaubst, kommst du in die Hölle”, die Antwort lautet auch nicht “Es steht in der Bibel, also ist es wahr”. Die Antwort lautet stattdessen: Wir (die Verfasser des Johannes-Briefes) haben gesehen, gehört, erlebt (“betastet”), dass es stimmt (Vers 1), was wir euch sagen. Es macht uns glücklich, und wir wollen, dass ihr auch glücklich seid (Vers 4), deshalb berichten wir davon.

Die Autorität einer Predigt rührt nicht daher, dass das, was der Prediger sagt, auch in der Bibel steht. Sie rührt daher, dass der Predigende für das bürgt, was er sagt: Der Pfarrer (Rabbi / Imam) berichtet von dem, was sein Leben glücklich macht und bietet den Zuhörern an, es auch einmal damit zu versuchen. Aber anders herum auch: Wenn das, was der Predigende sagt, das Leben nicht bereichert, dann nützt ihm auch die Berufung auf heilige Texte nichts.

Für mich ist das in den ersten zwei Minuten einer Predigt immer der Test: Redet der da oben aus eigener Erfahrung, oder ist das nur “angelesen”? Wenn’s zweiteres ist, dann spare ich mir das Zuhören und mache ich mir lieber meine eigenen Gedanken. Wenn da aber jemand spricht, der von eigenen “göttlichen” Erfahrungen berichtet, dann kann es spannend sein, zuzuhören. Denn vielleicht funktioniert das, was bei ihm klappt, ja auch in meinem Leben?

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